Supermodels Potsdam Lindbergh Revival

Making-of: Supermodels Revival in Potsdam - Eine Hommage an Peter Lindberghs legendäres Shooting

Mit vier Models, meiner Potsdamer Fotografenkollegin Stephanie und der Frage, was passiert, wenn man diesen Gedanken aus den späten 80er und frühen 90er Jahren in ein Shooting von heute überträgt. Die Fotografien von Peter Lindbergh gehören für mich genau in diese Kategorie. Seine berühmten Aufnahmen der Supermodels haben mich schon lange fasziniert.

Es gibt fotografische Bilder, die bleiben. Nicht unbedingt, weil sie technisch perfekt sind. Sondern weil sie eine Zeit, eine Haltung und vor allem Menschen zeigen. Frauen wie Linda Evangelista, Christy Turlington, Naomi Campbell, Cindy Crawford und Tatjana Patitz wurden bei Lindbergh nicht einfach als makellose Modegesichter fotografiert. Sie wirkten als Persönlichkeiten.

Stark. Eigenständig. Selbstbewusst. Und trotzdem miteinander verbunden. Genau diese Idee wollte ich in Potsdam einmal auf meine eigene Art aufgreifen. Kein Nachstellen eines berühmten Lindbergh Bildes.

Keine Kopie. Sondern ein kleines Supermodels Revival.

Die Idee hinter dem Shooting

Bei einem klassischen Portraitshooting steht meistens eine Person im Mittelpunkt. Dieses Mal sollte es anders sein. Die Gruppe sollte das Bild tragen. Die einzelnen Persönlichkeiten sollten erkennbar bleiben und gleichzeitig miteinander funktionieren. Genau das war für mich der spannende Teil.

Mit dabei waren Lilly Charlotte, Frederike, Le Ann und Annabell.

Vier unterschiedliche Frauen, vier unterschiedliche Ausstrahlungen und vier Menschen, die nicht einfach nur nebeneinander vor einer Kamera stehen sollten. Denn ein gutes Gruppenbild entsteht nicht dadurch, dass man vier Personen irgendwo hinstellt und sagt: „So, jetzt bitte alle lächeln.“

Das wäre ungefähr die fotografische Variante von „Stellt euch mal für das Klassenfoto auf“. Das wollten wir definitiv nicht. Wir wollten Charakter. Nähe. Spannung.

Und diese besondere Dynamik, die entsteht, wenn mehrere Menschen gemeinsam vor der Kamera stehen.

Zwei Fotografen und vier Models

Der einzige kleine Auftrag an meine Models war: "Bringt euch doch eine Flasche Prosecco mit, damit seid ihr schnell in Stimmung." Um 8Uhr Morgens standen also 6 Menschen um eine Bank mit unzähligen alkoholischen Getränken an einem ehemaligen Grenzübergang der DDR und brachten sich mit Kühlgetränken in Stimmung. Interessantes Bild.

Mit Stephanie hatte ich dabei eine Fotografin an meiner Seite, die nicht einfach nur danebenstand. Gerade die Zusammenarbeit mit einem anderen Fotografen finde ich bei solchen Projekten spannend. Sie dokumentierte an diesem Tag ebenfalls die gesamte Szenerie und Atmosphäre und sorgte bei dem ein oder anderen Hinweis für eine schöne Perspektiven-Idee.

Man schaut auf dieselbe Situation und sieht trotzdem nicht dasselbe. Stephanie nimmt einen anderen Moment wahr. Ich sehe vielleicht eine andere Bewegung, einen Blick oder eine kleine Veränderung in der Körpersprache.

Und genau daraus kann etwas entstehen, das man alleine so vielleicht gar nicht fotografiert hätte. Das ist für mich eine der schönsten Seiten gemeinsamer Shootings. Man muss nicht immer derselben Meinung sein. Man muss sich ergänzen.

Und manchmal reicht ein kurzer Blick zwischen zwei Fotografen, um zu wissen: Jetzt.

Vier Persönlichkeiten vor der Kamera

Lilly Charlotte, Frederike, Le Ann und Annabell brachten jeweils ihre eigene Persönlichkeit mit. Das war für das Konzept entscheidend. Denn bei einer Hommage an die Supermodels von Peter Lindbergh geht es für mich gerade nicht um austauschbare Schönheit.

Eine kleine Bewegung.

Es geht um Präsenz. Ein Gesicht muss nicht perfekt sein. Eine Pose muss nicht geschniegelt aussehen. Ein Model muss nicht permanent in die Kamera schauen. Manchmal reicht ein Blick zur Seite. Eine veränderte Haltung. Oder einfach dieser eine Moment, in dem jemand kurz vergisst, dass gerade fotografiert wird.

Genau diese Augenblicke interessieren mich.

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Das Shooting in Potsdam

Potsdam war dabei mehr als nur der Ort, an dem wir fotografiert haben. Die Stadt bietet eine Mischung aus Geschichte, Architektur, urbanen Strukturen und ruhigen Ecken, die sich hervorragend für solche Portraitproduktionen eignet.

Wir wollten keine künstliche Hochglanzwelt schaffen. Und genau dafür wählten wir einen ehemaligen Sperrbezirk der deutsch-deutschen Grenzen.

Die Umgebung sollte Teil der Bilder werden. Das Licht sollte mitarbeiten. Die Location durfte Charakter haben. Und die Models sollten sich darin bewegen können, anstatt nur davor zu stehen.

Das klingt vielleicht nach einem kleinen Unterschied. Für mich ist es ein ziemlich großer. Denn wenn die Umgebung nur Kulisse ist, sieht man das meistens auch auf dem fertigen Bild. Wenn Ort und Mensch miteinander funktionieren, entsteht dagegen eine ganz andere Tiefe.

Der Lindbergh Gedanke

Was mich an Peter Lindbergh immer wieder fasziniert, ist seine Fähigkeit, Menschen aus einer Modewelt herauszulösen und ihnen Persönlichkeit zu geben. Natürlich waren seine Fotografien Modefotografie. Aber sie wirkten selten wie reine Modefotografie. Da waren Menschen. Gesichter. Blicke. Charakter.

Und genau diesen Gedanken wollte ich für unser Shooting übernehmen. Nicht den Look eins zu eins. Nicht die berühmten Bilder nachbauen. Sondern die Haltung dahinter. Menschen fotografieren, nicht Kleiderständer.

Das klingt vielleicht selbstverständlich. Ist es aber nicht. Gerade wenn mehrere Models gleichzeitig vor der Kamera stehen, besteht schnell die Gefahr, dass alles zu einer sauber arrangierten Oberfläche wird. Wir wollten das Gegenteil.
Die Bilder sollten leben.

Wenn aus vier Models eine Einheit wird

Ein interessantes Phänomen bei Gruppenaufnahmen ist, dass sich die Dynamik während eines Shootings verändert. Am Anfang steht jeder noch ein bisschen für sich. Man kennt die Situation. Die Kamera ist da. Man achtet auf die eigene Haltung.
Auf den eigenen Blick.Auf das, was der Fotograf gerade sagt. Und irgendwann verschwindet dieses Bewusstsein.

Die Models reagieren aufeinander. Eine Bewegung wird aufgenommen. Ein Blick wird erwidert. Eine Position verändert sich. Plötzlich muss ich gar nicht mehr so viel erklären. Die Gruppe beginnt, selbst zu erzählen.
Und genau dann wird es interessant. Denn dann fotografiere ich nicht mehr vier einzelne Menschen.

Ich fotografiere eine Beziehung zwischen ihnen.

Und natürlich fotografiere ich nicht im Stehen

Wer schon einmal mit mir fotografiert hat, kennt das Spiel. Ich stehe selten einfach gemütlich hinter der Kamera. Wenn die Perspektive es verlangt, gehe ich runter. Ich knie. Ich hocke. Ich verrenke mich. Ich verschwinde irgendwo seitlich aus dem Bild.

Und wenn es sein muss, mache ich mich auch ziemlich klein. Für Außenstehende sieht das gelegentlich vermutlich etwas seltsam aus. Für mich ist es schlicht Teil des Jobs. Denn ein Bild aus Augenhöhe ist eben nicht automatisch das beste Bild.

Manchmal muss man sich bewegen, um den richtigen Moment zu finden. Und manchmal muss man dafür ziemlich albern aussehen.Damit kann ich leben.

People Fotograf Hamburg

"Die Bilder zeigen Frauen nicht als austauschbare Idealbilder. Sie zeigen Frauen mit Haltung."

Die kleinen Momente zwischen den Bildern

Das Entscheidende bei einem Shooting passiert oft nicht genau in dem Moment, in dem ich auf den Auslöser drücke.

Es passiert davor. Oder danach. In einer kurzen Pause. Beim Lachen. Während jemand die Position verändert. Wenn zwei Models miteinander sprechen. Wenn jemand für einen kurzen Augenblick völlig bei sich ist.

Diese Zwischenmomente sind für mich besonders wertvoll. Sie lassen sich nicht wirklich befehlen. Man kann sie nur zulassen. Und genau deshalb gehört für mich eine entspannte Atmosphäre zu einem guten Shooting genauso dazu wie Kamera und Objektiv.

Vier Frauen. Eine Bildidee. Ganz unterschiedliche Geschichten.

Das Spannende an unserem Supermodels Revival war, dass jede der vier Frauen ihre eigene Geschichte mitbrachte.

Lilly Charlotte. Frederike. Le Ann. Annabell.

Zusammen ergaben sie eine Gruppe. Aber sie wurden dabei nicht zu einer uniformen Einheit. Ihre Unterschiede blieben sichtbar. Und genau das machte die Bilder interessant. Denn echte Schönheit entsteht für mich nicht dadurch, dass alle gleich aussehen.

Sie entsteht durch Kontraste. Durch Persönlichkeit. Durch die kleinen Eigenheiten, die einen Menschen unverwechselbar machen. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum mich die alten Supermodel Fotografien von Lindbergh bis heute so faszinieren.

Sie zeigen Frauen nicht als austauschbare Idealbilder. Sie zeigen Frauen mit Haltung.

Das Ergebnis

Nach dem Shooting kommt für mich immer einer der spannendsten Momente. Die Bilder werden gesichtet. Man sieht plötzlich, was während des Shootings nur als kurzer Augenblick vorhanden war. Man entdeckt Bilder, die man gar nicht bewusst geplant hatte.

Eine Bewegung, einen Blick, eine Konstellation. Und manchmal sitzt man vor dem Rechner und denkt einfach:

Ja. Genau dafür haben wir das gemacht.

Unser Shooting war dabei keine historische Nachstellung. Es war unser eigenes kleines Revival. Eine fotografische Verbeugung vor einer Ära, die gezeigt hat, dass Modefotografie auch anders funktionieren kann.

Weniger künstlich. Weniger geschniegelt. Mehr Persönlichkeit.

„Die Bilder sind wirklich toll!!! Danke Thorsten“

Ein paar Tage später kam dann eine Nachricht von Lilly Charlotte in unserer Instagram Gruppe:

„Die Bilder sind wirklich toll!!! Danke Thorsten 😊“ Meine Antwort war ziemlich kurz: „sehr gerne 😉“

Was soll man auch groß schreiben? Wenn ein Model die fertigen Bilder sieht und genau dieses Gefühl hat, dann ist eigentlich schon alles gesagt. Natürlich freue ich mich über gute Bilder. Natürlich freue ich mich über positives Feedback.

Aber besonders wichtig ist mir, dass die Menschen vor meiner Kamera sich selbst in meinen Bildern wiederfinden und gleichzeitig vielleicht eine Seite von sich entdecken, die sie so vorher noch nicht gesehen haben.

Auswahlbilder

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Was von einem Shooting bleibt

Ein Shooting endet nicht unbedingt mit dem letzten Auslösen der Kamera. Ein Teil davon bleibt. In den Bildern. In den Erinnerungen. In den Gesprächen danach. Und manchmal auch in einer kleinen Nachricht ein paar Tage später. Für mich war dieses Shooting in Potsdam deshalb mehr als nur ein Modelshooting. Es war ein Experiment.

Eine Hommage. Eine Zusammenarbeit mit Stephanie. Und vor allem ein gemeinsames Spiel mit vier starken Persönlichkeiten vor der Kamera.

Vielleicht ist das die eigentliche Idee hinter einem solchen Revival: Man versucht nicht, die Vergangenheit zu kopieren. Man nimmt eine gute Idee, trägt sie in die Gegenwart und schaut, was daraus entsteht.

Peter Lindbergh hatte seine Supermodels. Wir hatten Lilly Charlotte, Frederike, Le Ann und Annabell.

Und Potsdam. Mehr brauchten wir eigentlich nicht.

Fazit

Dieses Supermodels Revival in Potsdam hat mir einmal mehr gezeigt, warum ich Gruppen und gemeinsame fotografische Projekte so spannend finde. Vier Models, zwei Fotografen und eine Idee können etwas völlig anderes entstehen lassen als ein klassisches Portraitshooting.

Es geht nicht darum, möglichst viele perfekte Bilder zu produzieren. Es geht um die richtigen Bilder. Um Bilder, die Persönlichkeit zeigen. Um Bilder, die eine Stimmung transportieren.

Und manchmal auch um Bilder, bei denen man ein kleines bisschen die Atmosphäre einer anderen fotografischen Zeit spürt. Nicht als Kopie. Sondern als eigene Interpretation.

Genau das war unser Supermodels Revival in Potsdam.

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